Hotellerie & Gastronomie

Es ist an der Zeit für einen Umbruch!

By 24. Februar 2017 No Comments

Qualifizierte und motivierte Mitarbeiter zu finden, ist heutzutage in keiner Branche mehr leicht. Es gibt jedoch einige Branchen, die damit mehr Probleme haben als andere. So ergeht es beispielsweise den unzähligen Restaurants und Hotels, die oftmals verzweifelt nach gutem Nachwuchs suchen. Wird dann tatsächlich mal ein Glückstreffer gelandet und ein neuer Mitarbeiter gewonnen, ist dieser recht schnell wieder desillusioniert, denn häufig ist der Job nicht so wie er oder sie sich ihn vorgestellt hat.

Nun mögen Stimmen laut werden, die sagen, dass die heutige Generation, die in die Arbeitswelt eintritt, einfach keine harte Arbeit mehr gewöhnt ist. Andere meinen wahrscheinlich, dass gar nicht die jungen Leute Schuld sind, sondern die Berufsschulen, die nicht gut genug ausbilden. Oder sind es doch eher die Eltern, die ihre Kinder in einer Welt aus Illusionen aufwachsen lassen? Man mag verschiedene Gründe für Schuldzuweisungen finden, der eigentliche Kern des Problems liegt jedoch meist woanders.

Selbstreflektion? Fehlanzeige!

Das Fachkräfteproblem in der Gastronomie und Hotellerie wird sich zunehmend verschärfen, sollten sich die Bedingungen unter jungen Arbeitnehmern nicht bald deutlich verbessern. Dafür ist es enorm wichtig, dass auch die Vorgesetzten ihre Handlungen reflektieren. Viel zu häufig geschieht dies jedoch nicht. Die Kernfrage ist hierbei, was die Ursache dieses Problems ist und wie man es beheben kann? Wir fragen uns, ob es Zeit ist für radikale Veränderungen in der Gastro-Branche und schauen einmal auf die Herausforderungen, mit denen Mitarbeiter heutzutage konfrontiert werden.

60-Stunden-Wochen für ein Minimal-Gehalt

Eines der wohl größten Probleme in der Gastronomie und Hotellerie ist die enorme Arbeitszeit, die junge Menschen investieren müssen. Das Gehalt, welches dabei für die Mitarbeiter herausspringt, ist oft sehr gering und nicht vergleichbar mit dem dafür erbrachten Arbeitsaufwand. Die Erfüllung von Träumen und das Ausleben von Leidenschaften stehen dabei ganz hinten an.

Doch was kann man tun? Für alle Mitarbeiter in der Branche ganz einfach die Löhne erhöhen und anpassen? Eine Anpassung der Gehälter muss ohne Frage erfolgen, doch dann ist es von Nöten, dass sich im Umkehrschluss das ganze System dahinter verändert. Denn die Gastro- und Hotel-Chefs dieser Welt würden sich dadurch noch häufiger mit sinkendem Profit konfrontiert sehen. Warum? Die Antwort ist ganz einfach: Die Kosten für die Zutaten der Speisen, der Faktor Arbeitskraft, die Miete, die Einrichtung und die Versicherung, das Marketing usw. lassen Unsummen des erwirtschafteten Geldes schnell wieder verschwinden. Für wirklichen Profit bleibt da nur wenig über.

Auf der anderen Seite verliert man jedoch seine Mitarbeiter, wenn man keine vernünftigen Leistungen erbringt. Es ist vollkommen nachvollziehbar, dass Mitarbeiter einen Arbeitsplatz verlassen, wenn sie nach einer gewissen Zeit immer nur noch das Minimum bei steigender Arbeitsbelastung gezahlt bekommen. Doch geht es dabei nicht nur um die Zahlung des Gehalts, sondern auch um eine Unterkunft, die vom Arbeitgeber gestellt wird, um die Möglichkeit bei Krankheit zu Hause zu bleiben ohne vom Arbeitgeber schief angeschaut zu werden und um die Abgeltung der Überstunden.

Überstunden sind an der Tagesordnung

Womit wir bei einem sehr wichtigen Punkt wären. Eine Frage sollten sich Vorgesetzte in diesem Zusammenhang ganz besonders häufig stellen: Ab wann kann mein Mitarbeiter noch effizient arbeiten und mit wie vielen Stunden kann ich ihn belasten? Wann ist er noch eine Unterstützung für mich und bis zu welchem Punkt kann ich gehen und ihm noch mehr Arbeit zumuten als er ohnehin schon hat? Arbeitgeber müssen sich endlich vernünftig mit diesem Thema auseinandersetzen und einsehen, dass die Arbeitszeiten pro Woche nicht mehr in Stein gemeißelt sind. Die Zeiten, in denen man sich mit einer gefühlten 120-Stunden-Woche profilieren konnte, sind längst an uns vorbeigezogen. Horrende Arbeitszeiten sind häufig mit einem großen Druck für die Mitarbeiter verbunden. Es gibt nur wenige Branchen, in denen der Druck ebenso hoch ist wie in der Gastronomie und Hotellerie.  Wen wundert es da noch, dass viele Mitarbeiter nach einer gewissen Zeit einfach hinschmeißen?

Freizeit ist überbewertet…

… oder nicht? Ein unvorhergesehener Zeitplan erschwert den Gastro- sowie Hotelmitarbeitern oftmals die Freizeitplanung. Wer tauscht schon gerne ein Leben für die Familie gegen ein Leben für den Job ein? Richtig, die Wenigsten. Aufgrund dessen ist auch der Wechsel der Mitarbeiter in den gastronomischen Unternehmen extrem hoch. Wie ist es da noch möglich, einen Teamzusammenhalt aufzubauen mit einem Rhythmus, den alle verstehen und mit Leuten, die aufeinander eingespielt sind?

Zeit für Modernisierung

Eine einfache Lösung zu all diesen Punkten gibt es nicht. Wichtig ist aber, dass das veraltete, nicht mehr zeitgemäße Denken in der Branche nachlässt. Mitarbeiter von heute wollen nicht mehr „Das wurde schon immer so gemacht“ hören. Wenn in diesen festgefahrenen Strukturen weiterhin verharrt wird, dauert es nicht mehr lange und die Branche sieht sich einem noch schlechteren Fachkräftestand ausgesetzt. Es ist an der Zeit darüber nachzudenken, wie die Zukunft der Gastronomie- und Hotelleriebranche besser gestaltet werden kann.

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